Keramik-Arbeitsplatten sind nur Holzträger mit Keramik-Dekor?

KüchenTräumer

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Hallo zusammen,

wir haben es uns bei der Auswahl der Arbeitsplatte nicht leicht gemacht und vielen Besuchen bei verschiedenen Ausstellern / Möbelhäusern für eine Keramikarbeitsplatte mit 18mm Stärke entschieden. Bei dem hohen Preis haben wir lange überlegt, aber der "Ossido"-Look hat uns richtig gut gefallen und Keramik soll ja auch ein sehr hochwertiges / langlebiges Material sein.

Nach Unterschrift des Vertrags ist uns beim Check der einzelnen Positionen aufgefallen, dass bzgl. der Arbeitsplatte steht "18 mm Plattenstärke mit Träger". Das hatte uns etwas verwirrt und nach expliziter Suche nach Keramik mit Träger haben wir erst gesehen, dass Keramik bei vielen Anbietern eine Spanplatte mit nur 3-7 mm Keramik-Dekor bedeutet. Bei Lechner - von denen unsere Platte sein wird - scheint das ebenso zu sein, obwohl es auf deren offizieller Homepage in keinem Wort erwähnt ist (Arbeitsplatten aus Keramik | Lechner). Jetzt fühlen wir uns total überrumpelt. In den betrachteten Mustern war nie eine Holzplatte darunter verklebt und in keinem Wort wurde erwähnt, dass eine 18 mm Keramikarbeitsplatte am Ende auch nur wenige Millimeter Keramik enthält. Ganz überspitzt dargestellt hatten wir damit gerechnet für "teures Geld" massives Keramik zu erhalten und sehen jetzt eine Spanplatte im Keramik-Look auf uns zukommen.

Zumal es unsere Keramikplatte in 20mm Stärke von Laminam für genau unser Wunsch-Dekor gibt: Bruno - Laminam

Vielleicht sehen wir es aufgrund der Überraschung auch etwas zu negativ. Am Ende zählen ja die Materialeigenschaften und nicht das Gewicht. Aber uns stellen sich jetzt eine Reihe von Fragen, die wir bei einer massiven Keramikplatte als selbstverständlich angesehen haben. Hier möchten wir uns eine neutrale Meinung einholen, bevor wir auf unseren KFB zugehen.

Fragen:
  • Habt Ihr Erfahungen wie dick die Keramik-Schicht bei einer 18mm APL von Lechner üblicherweise ist?
  • Welche Eigenschaften hat dieses Composite-Material im Vergleich zu einer Massiven Keramikplatte?
  • Aktuell ist eine flächenbündige Spüle vorgesehen. Wie geht man damit um, wenn später auch mal eine Unterbauspüle montiert werden sollte. Geht das oder ist dann nicht das Holz analog Schichtarbeitsplatte ein Problem?
  • Unsere Küche wird auf Parkett stehen. Ist hier ein geringeres Gewicht vielleicht sogar von Vorteil?
  • Wenn wir es richtig verstehen ist das Keramik-Dekor von vorne und von oben als 2 gesonderte Teile auf die Spanplatte geklebt, korrekt? Sieht man an der Kante, dass es sich um zwei Teile und nicht eine durchgehende Platte handelt?

Darüber hinaus würde mich Eure Meinung zu den Preisen interessieren. Ist es normal, dass diese Variante preislich auf dem gleichen Niveau liegt wie eine Vollkeramik 20mm vom Steinmetz?

Vielen Dank & BG
Euer verunsicherter Küchen(alp)träumer ;-)
 

Fernblau

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Jetzt wirst Du einiges zu hören bekommen, ich fange mal mit meinen Erfahrungen an. Uns ist Ähnliches passiert: Deutlich und dediziert über 20mm Dekton gesprochen und letztlich herausgefunden, dass es um "gebaut" geht. Und das stand nicht so deutlich beschrieben im Vertrag wie bei euch. Schade, dass euch das beim Lesen vorm Unterschreiben nicht aufgefallen ist...

Von den KFB wird immer wieder betont, dass die gebaute Ausführung funktional einwandfrei und wegen des Herstellungsaufwandes auch ähnlich teuer sei. Dem mag so sein. Wenn ich aber "massiv" möchte, dann ist es kein guter Stil, die Hybridplatte durch die "Hintertür" zu liefern. Letztlich wird sich für die großen Plattenlieferanten ein deutlicher Kostenvorteil daraus ergeben, dass die Summe aus dünnem Grundmaterial und Pressplatte nicht an eine Keramik in voller Dicke heranreichen wird. Wenn ich meinen Herstellungsprozess optimiere, bleibt hier mehr "hängen", als wenn ich das volle Material verkaufe. Ausschnitte sind in dünnem Werkstoff ebenfalls weniger aufwändig.

Am Ende funktioniert das natürlich auch: Für eine Freundin haben wir uns bewusst für die Hybridplatte entschieden (die durch ein damaliges Lechner-Angebot deutlich günstiger als massiv war) und auch sie ist bisher (1,5 Jahre nach Aufbau) komplett zufrieden. Inklusive Unterbau-Spüle, für die der Holzfaserwerkstoff natürlich entsprechend weggefräst werden muss. Bleibt eine 7mm Unterbau-Kante, die einige hier im Forum sehr kritisch sehen. Bei ihr hält das, genau wie unsere eigene 20mm Dekton-Kante. Einen Bräter hat sie jedoch wohl noch nicht draufgeworfen ;-).

Die Kante der bei Dir im Vertrag stehenden Variante ist aufgedoppelt. Ein weiterer Verfahrensschritt, der natürlich auch bezahlt werden muss. Gut ausgeführt, sieht man das nur bei ganz genauem Hinschauen. Aber ja, da ist natürlich eine Fuge, meist gut kaschiert in der Fase.

Am Ende wollte ich einfach auch mal massiv in unserer (letzten?... wer weiß das schon...) Küche. Umgeben von Fertigparkett mit dünner Nutzschicht, sowie Span, MDF und HDF, welches so tut, als wäre es Holz, mussten mit ein bisschen Glas und Keramik auch mal ein paar Materialien in die Hütte, die eben keine "Wannabe's" sind... :-)
 
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bdl2k

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Finde es schade, dass der KFB nicht darüber spricht. Bei uns war es auch geplant, wir haben dann aber massiv genommen und den Aufpreis bezahlt. Ich glaube es waren 700 Euro, ich weiß es aber nichtmehr. Von Unterbauspülen wird bei Keramik abgeraten, weil die Kanten leicht abplatzen.

Die Fragen zur Optik: hat das Studio keine Platten die ihr euch ansehen konntet? Also bei Strasser sieht man von unten eine Art Folie, wahrscheinlich als Schutz vor Feuchtigkeit, die Kanten habe ich mir nicht genauer angeschaut, weil das keine Option für uns war.
 

Fernblau

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Ich habe praktisch nirgendwo Muster hybrider Platten sehen können. Die vorhandenen Musterplättchen zeigen zwar die Nutzschicht, nicht aber den Aufbau und die Kantenausführung für diesen Fall. Nur bei Musterküchen ... aber das wäre dann schon großes Glück, wenn das Dekor passen würde...
 

isabella

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Ich verstehe nicht so genau, was für ein Problem die Trägerplatte darstellen soll - Keramik nimmt man wegen der mechanischen Oberflächeneigenschaften, chemischen Beständigkeit / Inertheit, wegen dem Aussehen. Die Trägerplatte verbessert die Biegefestigkeit und Bruchfestigkeit der Plattenanlage, so dass man sich traut, die Schnitzel flachzuklopfen. Soll ich den Thread heraussuchen mit der gebrochener massiven Arbeitsplatte , nachdem der stolze Besitzer mit der Faust draufgehauen hat?
 
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moebelprofis

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@isabella hat vollkommen Recht: eine Keramik APL mit Unterbau hat nur Vorteile.
Den grundsätzlichen Aufbau sollte der KFB aber zeigen können. Die Muster sind teuer und selten - eines sollte man aber zumindest da haben ;-)
 

Melanie 75

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Was mein Bedenken wäre. Bei meiner alten Schichtstoffplatte hatte ich im Bereich des Geschirrspülers und der Spüle unter der Arbeitsplatte Quellschäden. Könnte es bei einer aufgedoppelten Platte nicht auch dazu kommen, da darunter ja Holz bzw MDF ist?
 

Melanie 75

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Also hier sieht man es ja sehr schön
 

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racer

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dazu kommt, dass Keramikplatten Ihre optische Struktur immer nur an der Oberfläche haben.

Heißt, wenn man eine 20 mm starke Keramikplatte nehmen würde und die zuschneidet, wäre die sichtbare Kante immer unifarbig.. daher sollte die (wie auf dem Foto oben zu sehen) mit viel Aufwand auf Gehrung verklebt sein, damit die Vorderkante optisch der Oberfläche der Platte entspricht.

Du kannst ja einfach mal fragen, welches Trägermaterial denn da verwendet wird ?

mfg
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P.S. so offen sichtbar wie auf dem Foto sollte eine zu sehende Kante natürlich nicht gearbeitet sein. Den Träger sollte man nie sehen, außer man schaut unten drunter...
 

KüchenTräumer

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@isabella @moebelprofis

Heißt das, dass eine 20 mm aufgedoppelte Platte mit ca. 6-7 mm Keramiknutzschicht bruch- und biegefester ist als eine 20 mm Vollkeramik? Ich hatte bisher das Gegenteil befürchtet.

Meinst Du diesen Thread? (gebrochene Platte: Keramik Arbeitsplatte bricht -)

Den hatte ich vorab gelesen und genau deshalb etwas Sorge. Nach den Beiträgen zu urteilen (der Autor hatte dazu nichts explizit gesagt) ging es dort auch um eine auf 20/25 mm "aufgedoppelte Platte" (welches Trägermaterial keine Ahnung). Aber vom Prinzip her also das, was wir auch bekommen sollen. Und bei dem zweiten Fall im gleichen Thread mit der heruntergefallenen Melone war es eine dünnere Vollkeramik von 12 mm. Daher bin ich etwas verwirrt. Soweit ich es aus anderen Threads rauslesen kann, bricht Keramik insgesamt wohl sehr gerne, egal ob Vollkeramik oder mit Trägermaterial... Aber bei welcher Art von Keramik ist es denn vergleichsweise besser?

Zudem hatten wir es so verstanden, dass die auf Gehrung verklebten Kanten deutlich empflindlicher sind als gefaste Kanten bei Vollkeramik (also bzgl. 20mm Vollkeramik). Ist das wirklich so oder ist der Unterschied kaum spürbar?

@racer: Ja, wir fragen auf jeden Fall bzgl. des Materials nach. Es handelt sich um eine Lechner-Keramik (18mm).

Vielen Dank für Eure Erfahrungen! Leider haben wir bisher kaum Infos zu einem Vergleich der Materialien gefunden.

BG Küchenträumer
 

Melanie 75

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so offen sichtbar wie auf dem Foto sollte eine zu sehende Kante natürlich nicht gearbeitet sein. Den Träger sollte man nie sehen, außer man schaut unten drunter...
Das ist aus dem Thread, den ich vorher verlinkt habe. Wird dort ja auch beanstandet, aber man sieht ganz schön, wie es aussieht.

Generell bin ich mit meiner Keramikplatte sehr zufrieden. Ich bin auch schon öfters mit Töpfen, Gläsern etc. an der Kante angekommen. Bisher ging nur ein Trinkglas kaputt. Besonders toll finde ich die Hitzebeständigkeit und die einfache Reinigung (da Flüssigkeiten nicht eindringen).
 

KüchenTräumer

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Hallo zusammen,

ich habe jetzt auch bei dem bekannten Anbieter mit L angefragt. Die Kollegen waren hier sehr hilfsbereit und haben sogar ein Foto mitgeschickt.

Bei der 18mm Stärke wird 6mm Keramik und ein Unterbau von 12mm PU Streifen verwendet. Der Unterbau ist daher nicht vollflächig unterfüttert. Ein vollflächiger Unterbau mit einem Spanträger ist auf expliziten Wunsch aber evtl. auch lieferbar.

1651041692763.jpg


Auf die Materialeigenschaften ist man leider nicht eingegangen. Für mich die Frage: Warum lässt man unten diese schmalen Streifen "frei". Dort ist dann soweit ich es verstehe nur die 6mm Schicht. Ist es dadurch nicht an diesen Stellen empfindlicher oder hat das einen bestimmten Grund bzw. bestimmte Vorteile?
 

racer

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so reicht das vollkommen, jeder schwere Gegenstand wird ja auch immer auf eine der Traversen treffen. Das Durchbiegen ist damit auch reduziert.

mfg
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Fernblau

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Die Vorteile der Streifentechnik liegen beim Hersteller (und das ist dediziert nicht despektierlich gemeint). Man kann mit Standardmaterial unterschiedliche APL-Breiten bestücken, ohne in der Breite genau zuschneiden zu müssen. Das Abwägen der Breiten der offenen Bereiche werden Erfahrungswerte des Herstellers sein.
Ich persönlich würde beim Danebenhauen beim Schnitzelklopfen auf rel. sprödem Werkstoff nicht immer überlegen wollen, ob ich gerade im unterfütterten Bereich, über einer Traverse oder auf die freie 6 mm Keramik klopfe: Nicht mein favorisierter Aufbau. Aber schön, deshalb gibt es ja so unheimlich viele Varianten...
Ich finde es jedoch gut, wichtig (und eigentlich selbstverständlich), wenn (wie hier) Hersteller und Endverkäufer so offen kommunizieren, woran man mit einer Komponente ist. Dann kann jeder nach seinen Befindlichkeiten selbst entscheiden.
 

KüchenTräumer

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Vielen Dank für die Rückmeldungen!

Leider habe ich es noch nicht ganz verstanden. Sind die "Lücken" zwischen den Traversen ein echtes Bruchrisiko? Ich möchte wirklich nicht immer beim Schnitzelklopfen Angst haben die Platte kaputt zu machen... :-|

Optisch wäre uns die 18 mm Platte liebe, aber die Stabilität ist bei dem (für uns richtig viel) Geld natürlich am wichtigsten. Wenn die 12 mm Vollkeramik stabiler ist, würden wir ggf. nochmal versuchen zu schwenken.

Habt Ihr Erfahrungen ob 12 mm Vollkeramik widerstandsfähiger ist als die 18 mm (teilweise unterfütterte 6mm) Keramikplatte? Oder ist am Ende sogar die 6mm Keramik mit den 12mm PU-Traversen flexibler und damit auch bruchsicherer oder hat andere Vorteile, die man wissen sollte?

Was würdet Ihr aufgrund der Materialeigenschaften (ganz unabhängig der Optik) empfehlen? 12mm Vollkeramik oder 18mm unterbaute Keramik?
 

racer

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nein, die Lücken sind kein Risiko, alles ist gut, das kann man sehr gut so machen und es wird auch funktionieren...

mfg
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