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Preisliche Intransparenz beim Küchenkauf
Preisliche Intransparenz - Küchenkauf

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Küchenkauf

Preisliche Intransparenz beim Küchenkauf
Michael   30 Mai 2009  
19650   0   1  

 
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Gewollt, gemacht oder unausweichlich?
Die fehlende Preistransparenz in der Küchenbranche sorgt stets für Unmut beim Käufer. Woraus resultiert diese Preisstruktur und vor allem: Ist es Stragtegie?
Um es vorweg zu nehmen: Ist es sicher nicht.
Allenfalls die unterschiedlichen Abarten der Nutzung der komplexen Preisgestaltung könnte man als strategisch bezeichnen. Letztendlich wäre es nur unter unzumutbarem Aufwand möglich jedes Möbelstück in allen Varianten und Preisgruppen auszuzeichnen.

Einige Beispiele:
Einen Eckunterschrank gibt es in vier Ausführungen und in jeweils zehn Preisgruppen, welche frontrelevant sind. Insofern gäbe es 40 Preise für einen Schrank. Hierbei handelt es sich zwar um ein Extrembeispiel, aber selbst bei Möbeln, die nur in einer Variante erhältlich sind, bleiben es zehn Preise.
Dazu kommen Möbelteile, die nicht frontrelevant sind. Das wären z.B. Regale, Kranzprofile oder Arbeitsplatten.
Bei Regalen etc. richtet sich der Preis nach der Ausführung (Kunstoff, Lack, Furniert, etc)
Bei Arbeitsplatten wirkt sich die Art der Beschichtung (Hochglänzend, matt) und die unterschiedliche Kantenbelegung (Dickkante, Alu-Kante, Formingkante) auf den Preis aus.

All diese unterschiedlichen Preisvarianten werden vom Händler mit Hilfe einer Planungs- und Kalkulationssoftware ermittelt und selbstverständlich mit Einzelpreisen versehen. Um zu verdeutlichen, warum die Angabe von Einzelpreisen bei Angeboten ungern erfolgt, muss man sich mit dem Thema Mischkalkulation beschäftigen.

Hierbei werden zu niedrige Gewinne oder sogar Verluste aus einer Warengruppe mit den höheren Gewinnen einer anderen Warengruppe ausgeglichen. Im Küchenbereich handelt es sich um die Hauptwarengruppen Küchenmöbel und Einbaugeräte.
Während die Einbaugeräte mit teils sehr geringen Margen verkauft werden, wird über den Möbelsektor der Deckungsbeitrag reguliert.
Das Prinzip der Mischkalkulation ist keineswegs auf die Küchenbranche beschränkt, sondern ein völlig normales wirtschaftliches Instrument, um auf Einheitspreise zu kommen. Im Angebot ist das dann der Gesamtpreis.
Flatrates z.B. beruhen ebenfalls auf dem Prinzip der Mischkalkulation. Während Nutzer mit hohem Transfer auch hohe Kosten verursachen und eine Unterdeckung verursachen wird kalkulatorisch der Nutzer mit niedrigem Transfer für eine Überkompensierung sorgen. Allerdings hat wohl noch niemand mit dem Gedanken gespielt, seine Flatratekosten vom Anbieter aufschlüsseln zu lassen.
Warum auch? Der Gesamtpreis steht fest. Ähnlich, wenn auch weniger nachvollziehbar, verhält es sich mit dem Angebot für eine Einbauküche.

Auch der Vergleich mit der Autoindustrie (wird gern verwendet) verbietet sich eigentlich von selbst.
Ein Autopreis besteht im Wesentlichen aus einem Grundpreis zuzüglich der Preise verschiedener Motorvarianten und Ausstattungsmerkmalen.
Eine schlichte Addition ohne Mischkalkulation, die höchstens modellübergreifend angewand wird und für den Kunden meist nicht relevant ist, da er ja nur ein Auto kauft.

Ein detailiertes Angebot mit aufgeführten Einzelpreisen führt also unweigerlich zu falschen Preisangaben einzelner Artikel. Selbst bei einer Aufschlüsselung der Einzelpreise für Vergleichszwecke wäre dem Kunden nicht geholfen. Er könnte zwar gewisse identische Artikel vergleichen, kann aber niemals sicher sein, dass der evtl. geringere Preis auch auf das Gesamtangebot zutrifft.

Prinzipiell hat eine Einzelpreisangabe für den Kunden nur dann einen Sinn, wenn auch sämtliche Artikel Position für Position exakt identisch sind. Allerdings wäre sie damit auch wieder unnötig, weil in dem Fall der Gesamtpreis bereits aussagefähig ist.

Ein weiterer oft geäusserter Kritikpunkt ist die selten erfolgende Herausgabe des Angebotes incl. der grafischen Ausarbeitungen vor Vertragsunterzeichnung.
Die Wahrscheinlichkeit eines schnellen und somit günstigeren Gegenangebotes steigt bei Vorlage der kompletten Planungsunterlagen erheblich.
Insofern ist die Verweigerung sicher nachvollziehbar, benötigt ein Mitbewerber in diesem Fall doch nur einen Bruchteil der Zeit des Vorplaners um ein Gegenangebot zu erstellen. Die gesparte Zeit wirkt sich anschliessend auf den Endpreis aus. Hieraus könnte man den, aus einer anderen Währungsepoche stammenden, Begriff "Schnelle Mark" ableiten.

Weniger nachvollziehbar ist allerdings der Hinweis auf Planungsleistungen, die dem Copyright des Planers unterliegen sollen, hat doch der Kunde in der oftmals mehrstündigen Sitzung einen erheblichen Teil zum Ergebnis beigetragen. Nicht zuletzt handelt es sich um seine Räume, sein Haus und seine Wünsche, die realisiert wurden. Es handelt sich also auch um seine Planung.

Als wäre das alles noch nicht genug, muss man sich als Käufer zusätzlich mit den oft als "Mondpreisen" bezeichneten UVE-Preisen der Hersteller auseinandersetzen. Das sind überhöhte Verkaufspreise, die den Verkaufsunterlagen zugrundeliegen und die am Ende niemand bezahlen muss.
Allerdings haben diese UVEs einen ganz reellen Hintergrund. Selbst innerhalb eines Landes herrschen grosse regionale Unterschiede in den Lebenshaltungskosten. Das selbe Produkt wird in Schwerin günstiger zu erwerben sein als in München. Der Hersteller wird, schon aus Kostengründen, nicht für unterschiedliche Regionen auch unterschiedliche Preislisten erstellen.
Stattdessen erstellt er eine Liste mit Preisen die so hoch angesetzt sind, dass sichergestellt ist in keiner Region auf diese Liste Zuschläge erheben zu müssen.
Noch verständlicher wird diese Vorgehensweise bei Unternehmen, die europaweit operieren.
Zwar langweilen mittlerweile Preisnachlässe zwischen 10% und 30% auf diese Listen, aber ein Zuschlag in der Grössenordnung würde wahrscheinlich noch weniger toleriert werden.

Benutzerkommentare

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(Aktualisiert: 08 Mai 2015)
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Es ist doch nur Holz - oder?

Moin,

schöner Artikel, aber auch wenn er Verständnis schafft, es muss doch besser gehen - oder?

Was mich z.B. erstaunt hat, unsere derzeit geplante Küche besteht aus ca. 50% Geräte- und 50% Holzkosten. Das will mir einfach nicht in den Kopf. Es ist überwiegend Spanplatte und Massenproduktion, wie kann es Preislich auch nur annähernd vergleichbar sein mit Entwicklung und Bau von Herd, Spülmaschine, Kühlschrank, Induktionsfeld, Mikrowelle, Dunstabzug und Spülbecken samt Armatur?

Ok, die Geräte lassen sich noch besser in Masse Produzieren, doch die Schranksysteme sind ja auch alle Vorkonfektioniert, halt ein System, und somit doch eigentlich nur ein logistisches Problem beim Zusammenstellen.

Transparenzvorschlag: Berechnung über Kostenklassen und nach Holz- und Scharniermenge, dann kommt ein Faktor raus. Größerer Faktor, teurere Küche. Dann Fragt man mit diesem Faktor nach einem Preis bei den Verkäufern. Und jetzt da alle Vergleichbar sind, kommt es vor allem auf den Service an. Was Kostet Lieferung und Aufbau, Designer/Stilberatung als Extra-Service, Aufmaß, Garantiezeiten / -Verlängerungen, ... wie wärs mit einem Frontenaustausch-Paket? Alle Fronten neu für xxxEUR. usw.

Wenn man nur daran Denkt seinen Gewinn zu zementieren, denkt man halt auch nicht anders als die Kunden, die ihre Ausgaben minimieren wollen.

Mach es mir doch einfach bei dir Einzukaufen, ich will halt wissen, was es kosten wird, Du willst schließlich auch mein Budget kennen - "sonst fangen wir gar nicht erst an". So ein MIST! Nur jemand, der etwas nicht unbedingt Verkaufen möchte gibt einen Preis mit VB statt mit XXX VB an.

Es funktioniert nur, weil alle da mitmachen. Es bräuchte aber nur einen der es mal wirklich anders und besser machen würde ...

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