IKEA - Geschäftsphilosophie

Dieses Thema im Forum "Neuigkeiten" wurde erstellt von Michael, 20. Aug. 2011.

  1. Michael

    Michael Admin

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    Hallo zusammen,

    nachdem die Anzeige wegen Steuerhinterziehung gegen Ikea vom Oberlandesgericht Düsseldorf aus, wie viele meinen, "fadenscheinigen Gründen" abgewiesen wurde, hat sich der WDR im Markt-Check der Sache angenommen.
    Umfangreiche Recherchen ergaben ein Bild eines Unternehmens, daß man in vielen Dingen bereits so kannte, in anderen Dingen aber, wenn es so sein sollte, schockierende Ergebnisse zu Tage förderte.

    Der 45 Minuten lange Beitrag ist noch in der Mediathek zu sehen:
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    Über die "Steueraffäre" berichtete der Spiegel bereits im Januar diesen Jahres:
    |Link ist nur für Mitglieder sichtbar|

    Uns interessieren die Meinungen zu dem Thema. Wie seht ihr die Sachlage? Hat die negative Berichterstattung Auswirkungen auf euer Kaufverhalten? Ist es egal, wie dem Kunden günstige Preise serviert werden?

    Auch allgemein ist es, wie ich finde, eine Diskussion wert. Wie wichtig ist die soziale Verantwortung von Unternehmen? Wo beginnt assoziales Unternehmenshandeln und wo sind die Grenzen?

    Wir freuen uns auf zahlreiche Meinungen zu dem Thema.

    LG
     
  2. Wolfgang 01

    Wolfgang 01 Spezialist

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    In Scharen laufen die Kunden zu Ikea. Wo was herkommt und unter welchen Bedingungen was gefertigt wird, schert den Endverbraucher wenig. Hauptsache billig...

    Ob es tatsächlich billig (günstig) ist, sei mal dahingestellt. Verbraucher neigen nun mal dazu sich blenden zu lassen.

    Ich weiß schon seit langem, dass IKEA wie eine Heuschrecke funktioniert.

    Auch zeigt der Bericht von der ARD das Zertifikate genauso viel Wert besitzen wie so manch ergaunerte Doktortitel.

    Tja, das Leben ist eben eine ganz große Show. Wohl dem, der ein wenig über den Tellerrand schaut und sich nicht von allem blenden läßt.
     
  3. tantchen

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Ich versteh nicht, was an dem IKEA Bericht so schlimm sein soll? Was können die für ein DDR-Regime oder für unzureichende Kontrollen und lasche Gesetze in Sibirien? Der Konzern nutzt nur aus, was sich auf der Welt bietet. Das tun mit Sicherheit auch eine Menge anderer Unternehmen! Da finde ich das mit den Zwangsarbeitern oder illegalem Holz noch harmlos im Vergleich zu Kinderarbeit und dem ganzen Sch..., der sonst noch in der Welt anzutreffen ist.

    Zur sozialen Verantwortung: Ich weiß jetzt nicht, wie "unordentlich" die IKEA Schichten eingeteilt sind. Aber Teilzeit heißt auch, man hat immerhin noch die Möglichkeit auf einen zweiten Job...Außerdem: keiner zwingt einen, dort zu arbeiten, wenn das mit der Teilzeit nicht passt, oder? Gibt es sonst noch Kritikpunkte? Werden die älteren Mitarbeiter rausgemobbt wie z.B. beim "Roten Stuhl"? Werden die Mitarbeiter bei IKEA massiv mit vorgeschriebenen Umsätzen unter Druck gesetzt, kriegen sie Provisionen gestrichen, wenn ein Küchenmonteuer oder anderer Kollege pfuscht?

    Wer auf IKEA rumhackt, sollte sich mal überlegen, was er jeden Tag WO einkauft und unter welchen Bedingungen DAS oftmals so billig produziert und verramscht werden kann. Man sehe sich mal den Ferrero-Bericht aus derselben Serie an... Oder die ab und zu ausgestrahten Reportagen über Supermarktketten usw...

    Zu Michaels Fragen:

    Nein, dieser Bericht beeinflußt mein Kaufverhalten in keinster Weise. Weil ich weiß, dass es in vielen Bereichen genauso oder noch schlimmer zugeht. Man denke mal an die Gebäude-Reinigungs-Firmen, die uns jeden Tag ein sauberes Klo am Arbeitsplatz bescheren...

    Soziale Verantwortung fängt genau bei UNS an. Bei jedem von uns, der erwartet, dass alles immer möglichst günstig zu sein hat. Wer sich im täglichen Leben lieber öfter mal fragen sollte, wie es wohl den Angestellten der Läden/Dienstleister geht, von denen wir die billigen Lebensmittel oder den günstigen Haarschnitt beziehen.
     
  4. Michael

    Michael Admin

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    Lindhorst
    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Hallo Andrea,

    So sieht es aus. Deswegen die Frage nach dem Kaufverhalten. Unbestritten kann jeder damit etwas bewegen.
    Viele sehen die Berichterstattung kritisch. Aber auch die Frage, was IKEA für ein Unrechtsregime wie die DDR könne, ist argumentativ schwach.
    Natürlich konnten sie nichts für das Regime. Aber man muss es auch nicht für seinen Wettbewerbsvorteil nutzen.

    Mein persönliches Kaufverhalten wird sich dadurch übrigens auch nicht ändern. Ich war erst einmal dort und hatte sowieso nicht vor nochmal hinzufahren. ;-)
     
  5. tantchen

    tantchen Premium

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Das Problem dabei ist, dass nur rein theoretisch jeder was bewegen könnte. In der Praxis wird das nicht funktionieren, weil es immer noch genug Leute gibt, denen es egal ist und die Ihr Kaufverhalten nicht ändern. Man tut es also bestenfalls für sein eigenes Gewissen.
    Aber gut, ich kann ja auch in Zukunft auf Klamotten aus dem Einzelhandel verzichten - wird ja alles in Fernost von sehr schlecht bezahlten Menschen produziert, für die Baumwolle ackern Menschen in Afrika am Existenzminimum rum. Und dann kauf ich auch keinen normalen Kaffee mehr (mach ich sowieso nie), weil der wird den Bauern in Südamerika nicht mal annähernd fair bezahlt.... Wenn Du mit Ausnutzen von schlechten Gegebenheiten in den 3. und Schwellen-Ländern der Welt argumentierst - dann darst Du ruhigen Gewissens hier in Deu kaum noch was einkaufen.

    Und wo soll ich dann zum Möbelkaufen hingehen? Ich bin davon überzeugt, dass es in dieser Preislage bei so gut wie allen anderen Möbelhäusern genauso undurchsichtig mit der Holzherkunft ist oder unsozial zugeht wie bei IKEA. Und so lange mir keiner das Gegenteil beweist, sehe ich auch keinen Grund, warum ich nur noch in Nicht-IKEA Läden kaufen sollte. Da würde ich mich genauso "schlecht" fühlen.

    Ich versuche, so oft es geht, regionale Produkte zu kaufen und kein Fleisch aus Massentierhaltung etc... Das sind Preisregionen, wo ich mir es noch leisten kann, etwas mehr auszugeben. Ein Bett für vll. 1000,- aufwärts, weil es aus einem deutschen Betrieb mit Zertifikaten ist usw. kann ich mir leider nicht mehr leisten, auch wenn ich es gerne täte...
     
  6. mozart

    mozart Spezialist

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Hi,
    diese Diskussion ausschließlich am Beispiel Ikea zu führen, finde ich fadenscheinig. Auch andere Küchenhersteller beziehen Teile ihrer Produkte aus Italien und mittlerweile auch aus der Türkei. Daß da beim EK Nachhaltigkeits-oder soziale Aspekte eine Rolle spielen, mag meinetwegen glauben, wer will.
    International arbeitende Konzerne haben nunmal auschließlich Gewinnmaximierung zum Ziel. Das ist bei Ikea nicht anders, als bei exon mobile.
    Mittelständler, wie z.B. Eggersmann, von dem racer glaubhaft Familienunternehmens-typische Strategien berichtet, sind da sicher anders.
    Grüße,
    Jens
     
  7. Wolfgang 01

    Wolfgang 01 Spezialist

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Natürlich fängt soziale Verantwortung bei uns selber an.

    Die Umsetzung fällt schwer, muß aber keinesfalls nur theoretisch sein. Ich schwimme auch nicht im Geld, trotzdem gucke ich, dass ich den täglichen Bedarf mit heimischen Produkten abdecke.
    Was es bei uns nicht gibt, brauchen wir auch nicht.

    Natürlich muß/kann man sich einschränken. Im Bereich Lebensmittel zB. haben wir unsere Ernährung komplett umgestellt und fahren dabei nicht schlecht.
    Man fühlt sich vital und gesund.

    Gewisse Läden, von denen ich weiß, dass denen soziale Verantwortung wurscht ist, meiden wir.

    Mir ist auch klar, das IKEA nichts für das Regime ehemalige DDR kann. Das gibt denen trotzdem nicht das Recht, es schamlos auszunutzen.

    Aber egal, so hat die Lufthansa, Krupp und diverse andere große Unternehmen ebenfalls gewisse Regime ausgenutzt um billig und Gewinnoptimiert zu arbeiten.
     
  8. Cooki

    Cooki Team

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Hallöchen,

    ich hatte das Thema ja neulich auch schon mal angeschnitten, die Resonanz war aber eher verhalten.

    Natürlich ist es nicht schon, Regime auszunutzen, solange es der Bevölkerung ggf. noch dienlich ist. Aber dann gleich beim ostzonalen Gefangenenchor produzieren zu lassen, ist der Bevölkerung auch nicht dienlich. ;-)

    Auch wenn ich behaupte, die Hölzer kommen aus kontrolliertem Anbau und sich herausstellt, es sind gerade mal 24%, dann ist das auch nicht ehrlich, gelinde und nett gesagt, ... es ist Kundentäuschung.

    Das andere es nicht besser machen, ist unbestritten, aber auch hier nicht das Thema.

    Wenn ich bei Onkel KIK eine Hose für 2,50 € kaufe, dann sollte mir bewusst sein, das es keine Designerware von Armani ist, wobei man auch hier die Herkunftsländer lieber nicht nennen sollte.

    Wie Tantchen schon sagt, die soziale Verantwortung fängt bei uns an und solange wir nicht umdenken und solche z.g.T. unmenschlichen Handlungsweisen durch Nichtbeachtung in die Schranken weisen, wird sich daran auch nichts ändern.

    Dazu ist die Geiz-ist-Geil-Mentalität noch zu groß und es wird auch immer Leute geben, die irgendwas noch günstiger anbieten können, als andere.

    Irgendwann wird es immer mehr Menschen treffen und nur wenn es einen persönlich betrifft, fängt der Mensch das Umdenken an.

    Das ist traurig, aber die Realität.

    Ich finde es traurig, engstirnig und nicht zukunftsorientiert, weder für die Bevölkerung, noch für unser Land und die Politik, da könnten wir in Griechenland anfangen und weiterpilgern, lassen wir jetzt einfach mal außen vor.
     
  9. martin

    martin Moderator

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Wir verhalten uns beim Einkauf schon sehr bewusst. Nur leider ist oft genug die Herkunft gar nicht fest zu stellen. Da steht dann nur drauf: produziert für XYZ, kein Herkunftsland, kein Produzent. Selbst aus der EAN-Nr. ist die Herkunft nicht sicher zu ermitteln. Das ärgert uns maßlos und wir lassen solche Waren, wenn irgend es geht, im Regal. Genauso meiden wir Läden, wo uns bekannt ist, dass die Peronalbehandlung "zweifelhaft" ist.

    Bei Holzprodukten sind wir allerdings weitaus weniger kritisch, seitdem wir wissen, dass lediglich 4% des jährlichen Einschlages an Tropenholz überhaupt für Bau und Möbel genutzt werden. Da können wir mit Verzicht oder zumindest Achten auf gewisse Zertifikate alle zusammen keinen Urwald retten.

    Aber die große Mehrheit der Kunden kauft halt den Preis, ohne sich Gedanken zu machen, wie dieser Preis überhaupt zustande kommen kann, geschweige denn, was es für die europäische Volkswirtschaft bedeutet solche Produkte zu kaufen.

    Tja, und dann kaufst Du Dir für teuer Geld einen Anzug von Hugo Boss oder ein Hemd für genauso teuer Geld von Tomy Hilfiger und wo wird's zusammen genäht? Auf Mauritius für Stundenlöhne um 1€. Oder Du kaufst eine Spüle eines sehr bekannten Markenherstellers, auf dem Karton steht Made in Germany. Stimmt auch, der Karton ist Made in Germany, die Spüle drin wurde allerdings in Griechenland hergestellt.
     
  10. ulla

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    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Interessante Diskussion. Ich habe leider nur oft das Gefühl, ich könnte alleine gar nichts bewirken. Immerhin habe ich eine Küche "made in Germany". Und mein Edelstahlbecken von Blanco ist es hoffentlich auch, bei den Geräten bin ich mir teilweise schon unsicher... :-\
     
  11. Bodybiene

    Bodybiene Premium

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    Ort:
    Kleines Kaff in Ostwestfalen
    AW: IKEA - Geschäftsphilosophie

    Also für mich hat die Medallie immer 2 Seiten. In den 1 1/2 Jahren wo mein Mann arbeitslos war, blieb mir schon garnichts weiter übrig als billig zu kaufen. Wenn deine Kinder 5 T-Shirts brauchen, dann kaufst du die 5 billig im Kik und nicht nur 1 für 15 Euro bei was weiß ich. Und wenn gerade dann dein Esszimmertisch zusammen bricht, dann kaufst du den für 99 Euro bei Ikea.

    Wie war das noch mit dieser sauteuren Schuhmarke die unter schlimmsten Umständen in Indien produziert??? ;-)

    LG
    Sabine
     
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