Grundsatzentscheidung Beschaffenheit Korpus

Dieses Thema im Forum "Küchenmöbel" wurde erstellt von kartoffelheinz, 1. Juli 2014.

  1. kartoffelheinz

    kartoffelheinz Mitglied

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    Hallo zusammen,

    wir ziehen in eine neue Wohnung, die neue (Ikea-)Küche darf gerne der Nachmieter haben. Eine neue Küche muss also her. Ich recherchiere nun seit einer Woche kreuz und quer und merke so langsam, in welche Richtung ich die Küche gestalten möchte (ich habe Entscheidungshohheit in der Küche, da ich koche). Momentan sieht es nach weißen Fronten aus, Massivholz matt lackiert. Um das Thema Hersteller / Schreiner zu klären stehe ich aber nun vor einer Richtungsentscheidung um die Beschaffenheit der Korpusse.

    Spanplatte kommt nicht in Frage, allein schon aus Raumklima/Umweltgründen, aber auch was Stabilität und Umzugstauglichkeit angeht.

    Ich stehe also zwischen Massivholz, Multiplex oder ggf. MDF. Letzteres fürchte ich geht nur vollversiegelt, da ansonsten Feuchtigkeit die Platte aufweicht - hat außerdem wohl ähnlich schlechte Umwelt/Raumklima-Eigenschaften wie Spanplatte. Aber dazu habe ich zu wenig Ahnung und brauche daher die Hilfe dieses wunderbaren Forums.

    Zu welchem Material für die Korpusse ratet mir, wenn Raumklima, (Form/)Stabilität, Langlebigkeit und Umzugstauglichkeit wichtige Kriterien sind? Der Preis spielt natürlich auch eine Rolle, ist aber nicht das Wichtigste.

    Welche Holzart wäre bei Massivholz geeignet? Gibt es außer RS-Möbel/Möbelum noch andere Hersteller, die fertig konfektionierte Teile in Massivholz anbieten?

    Ich danke schon einmal für die Hilfe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juli 2014
  2. martin

    martin Moderator

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    MDF halte ich für tragende Teile nur bedingt geeignet. Wenn Du Spanplatte ausschließt, bleibt nur Multiplex. Hier hast Du allerdings wegen des Klebers das gleiche "Umweltproblem". Teuer wird es obendrein.

    Ich habe den Eindruck, dass Du noch keine wirklich hochwertige Spanplatte in den Fingern gehabt hast. Das ist nämlich mehr als zusammen geklebte Sägespäne. Eine gute Mehrschichtplatte ist stabil, formaldehydarm und absolut umzugtauglich.
     
  3. kartoffelheinz

    kartoffelheinz Mitglied

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    Es kann gut sein, dass ich bisher nur "schlechte" Spanplatte erfahren habe. Gibt es da so große Unterschiede in der Qualität?

    Was hälst Du vom Korpus aus Massivholz? Ist das nicht stabiler? Wie ist denn der grobe Preisunterschied (so ungefähre Hausnummer) zwischen Korpus aus qualitativ hochwertiger Spanplatte vs Buche Massivholz? Das sind im Grunde ja nur die Seitenwände + Zwischenstreben, oder vertu ich mich da?
     
  4. Keita

    Keita Mitglied

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    In der Summe aller Eigenschaften? Tipla mit Beschichtung nach Wahl. Dass allerdings Spanplattenkonstruktionen nicht umzugstauglich sein sollen, halte ich für ein Gerücht - IKEA kann man dafür schwerlich als Maßstab heranziehen.
     
  5. martin

    martin Moderator

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    Massivholz ist in einem Raum mit stark wechselnder Luftfeuchtigkeit wenig geignet (Küche und Bad sind solche Räume). Bei der Küche kommt hinzu, dass die verbundenen Einheiten recht groß sind und damit auch die Differenzen durch das Arbeiten des Holzes.
     
  6. Keita

    Keita Mitglied

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    Zumal Buche ein recht zickiges Holz ist - wenn man Pech hat, verzieht sich die Platte derart stark, dass man nicht mehr von einem "Korpus" sprechen kann. Da spielt es auch keine Rolle, ob die einschlägigen Verleimregeln für Leimholzplatten eingehalten wurden.
     
  7. kartoffelheinz

    kartoffelheinz Mitglied

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    Uh okay, das klingt nicht so gut für Massivholz (was ich eigentlich immer sehr gerne habe). Gibt es Alternativen zur Buche, die besser geeignet sind und weniger volatil bzgl. Temperatur/Feuchtigkeit sind?

    Sind Fronten und Auszüge aus Buche ebenfalls so problematisch? Oder gilt das im Endeffekt nur für die "tragenden" Korpuswände?

    Was macht man bei Oberschränken? Dort sieht man ja ggf. Front und beide Seiten. Wäre auch dort Spanplatte die bessere Wahl?
     
  8. Keita

    Keita Mitglied

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    Du kannst alle möglichen Hölzer nehmen, angefangen bei "billigen" Nadelhölzern wie Fichte und Kiefer über "solide" Laubhölzer wie Eiche bis zu edlen Hölzern - nur wird sich das auch finanziell bemerkbar machen, wenn man auch optischen Ansprüchen genügen will (IKEA-Look ist ja nicht immer prickelnd…)

    Auch Fronten aus Buche sind nicht unkritisch, selbst 3- und 5-Schichtplatten können sich mal gerne verziehen.

    Ich würde wie o.g. für konstruktive Bereiche auf furnierte Tischlerplatten setzen, man bekommt sie mit allen üblichen Holzsorten und z.T. auch mit Starkfurnier.
    Bei der Front hängt es natürlich in erster Linie davon ab, welche Optik man haben möchte. Wenn man auf Buche steht, ist einem mit Eiche natürlich nicht geholfen ;-)

    Dass Buche so zickig ist, heisst nicht zwangsläufig, dass "es" schief gehen muss. Ich habe mir vor Jahren einen Tisch aus 40mm Buchenleimholz mit 190 cm freitragender Länge ohne jedwede konstruktive Stabilisierung wie Zargen, Gratleisten etc. gebaut. Ist bis heute absolut verzugsfrei und eben wie das sprichwörtliche Brett. Dafür haben sich Regalböden aus 18mm Platten derart verzogen, dass es zum Heulen war - man steckt irgendwie nicht drin…
     
  9. kartoffelheinz

    kartoffelheinz Mitglied

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    Ist Tischlerplatte denn stabiler/umzugsfähiger als Spanplatte, mal von gleicher Güte ausgegangen? Wie sieht es dort mit Ausdünstungen aus?

    In dieser Phase geht es mir mehr um das Material und weniger um die Optik, denn die bekomme ich ja unabhängig vom Material immer irgendwie hin. Da ich inzwischen relativ viele Sonderwünsche / Sondermaße habe komme ich wohl um eine Schreinerküche sowieso nicht mehr rum.
     
  10. Keita

    Keita Mitglied

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    Tischlerplatte hat eine wesentlich höhere Tragfähigkeit als Spanplatte und als Bonus einen Gewichtsvorteil. Im Prinzip handelt es sich ja um eine Massivholzplatte mit beidseitigen Deckschichten aus Furnier, Melaminharz oder MDF, woraus die Tragfähigkeit resultiert.

    Ausdünstungen sind geringer als bei Spanplatten und minimal höher als bei Leimholz, was aus der vollflächigen Verleimung der Deckschichten resuliert.

    Es gibt neben den "Massivholz-Herstellern" wie Team7 auch einige konventionelle Hersteller wie Zeyko, die als Korpusmaterial Tischlerplatten anbieten.

    Für die Fronten kannst Du Dich auch mal bei |Link ist nur für Mitglieder sichtbar| umschauen, das ist eine Tochter von Team7 und beliefert nicht nur die Mutter mit tollen Massivholzplatten. Ist allerdings auch recht teuer…
     
  11. tantchen

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    Ich hab meine Korpusse in jetzt schon zwei Küchen aus Birke Multiplex gebaut. Beim ersten Mal, weil ich zu Beginn die "dekorativen" Kanten noch offen lassen wollte und als Heimwerker halt mit Spanplatten nicht umgehen konnte (Kantenbearbeitung). Beim zweiten Mal, weil ich es eben schon so kannte und Tischlerplatte auch nicht so viel günstiger war bzw. nicht in birke zu haben.

    Bei Mplx kann man einen Echtholzumleimer noch selber aufbügeln und schleifen.

    Multiplex ist teuer. Aber auch so stabil, dass da 'nen Kleinwagen draufstellen könntest.
    Aber selbst diese Platten waren z.T. trotzdem noch minimal gebogen, je nachdem wie sie gelagert wurden wahrscheinlich.

    Aber warum hast du so Angst vor Ausdünstungen? Google doch mal ein bischen. Die heutigen Spanplatten sind doch harmlos (E1). Oder habt Ihr jemand in der Familie, der überempfindlich auf sowas reagiert? Ich wüsste jedenfalls nichts von irgendwelchen Anhäufungen von Krankheiten bei Menschen, die mit einer Küche aus Spanplatten leben.

    Massivholz in Form von Leimholz würde ich gar nicht für Fronten oder Korpusse nehmen. Schüsselt garantiert irgendwann...
     
  12. Schreinersam

    Schreinersam Team

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    In meinen Augen ist die Qualitätsspanplatte eines der umweltfreundlichten Materialien.
    -Nahezu 100% Verwertung des Holzes, auch Restholz verwertbar
    -ca. 30 % Resyclingmaterial (Altholz)
    -bei allseitiger Bekantung kein Ausdünsten von irgendwas.

    Übrigens... viele Massivhölzer (Buche bspw.) haben einen natürlichen Formaldehygehalt, der Gesundheitspäpsten die Tränen in die Augen treibt.

    Korpus aus Massivholz ist eher eine Einstellungssache. Wenn man das will/mag, soll man es auch nehmen. Ausser den guten Gefühl hat es aber viele Nachteile wie oben schon beschrieben.

    Die Massivhölzer von Alpha sind schweinelecker !
    Ich versuche mal meine letzte Massivküche zu verlinken...
    Korpusse Erle leimholz
    Fronten Erle 3-schicht
    APL Apfel 3-schicht
     
  13. Gatto1

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    ... oder falls Du richtig gutes Material haben willst, dann such mal nach IdroLeb Spanplatten.
    Die haben nur 0,05ppm Formaldehyd (das ist nicht einmal die Hälfte dessen, was Massivholz hat), besteht zu 100% aus recyceltem Holz, gibt es in 5-Schicht-Ausführung und in V100(wasserabweisend). Nebenbei sind sie absolut frei von VOCs.
     
  14. Hobby-Chef

    Hobby-Chef Mitglied

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    Samy, was mich noch interessiert ist, was sagst Du zu der Aussage von Andrea oben, dass Massivholz in Form von Leimholz für Möbelfronten und Korpüsse nicht zu nehmen sind, weil es dann irgendwann schüsselt?

    In Deiner Bspküche hast Du Deiner Kundin doch Leimholz eingebaut. Und wie ich Dich kenne, tutst Du bestimmt Deinen Kunden nicht etwas gegen Dein Gewissen verkaufen. Und Du machst auch immer direkt Vorschläge, wo Du es für sinnvoll hältst.

    Sorry, dass ich so als Laie fragen muss. Ich bezwecke damit nicht, Meinungen zu polarisieren, sondern möchte gern das richtige erfahren. Ich möchte auch stark glaube, dass deine Kundin, die Leimholz bekommen hat mit ihrer Küche noch vollkommen zufrieden ist oder hat sie sich doch schon beschwert, dass ihre Köche so stärkt gearbeitet hat, dass die Elemente völlig schief stehen? (wenn dann ist auch die Frage für mich, ob ein Besitzer bewusst leben kann; Aber zum Glück Leben wir seit. Jahren mit unserer Massivholzküche noch glücklich, was das Material anbelangt. Bin zugegeben nicht sicher, welche Verarbeitung das Ahornholz von uns erfahren hat, möglicherweise aber auch vollmassiv, wie es aussieht.)

    Vielen Dank.
    VG,
     
  15. Schreinersam

    Schreinersam Team

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    zu spät HC, jetzt hast Du´s schon gekauft,:trost:
    und klar ich verkaufe Fronten die schon beim Zeichnen krumm werden *tounge*

    So... ernsthaft;-) Meine Massivküche hatte 3-Schicht-Fronten

    Fronten aus "nur" Leimholz neigen dazu leicht zu schüsseln, deshalb haben schon unsere Altvorderen den Rahmen zur Stabilisierung erfunden.
    Nichts desto Trotz wird Holz immer etwas arbeiten, Kunden lieben es ja weil es "lebt".
    Allerdings wird das bei Deiner Konstruktion weniger sein als z.B. beim Granit, der auch dazu neigt sich minimal zu verziehen.

    Ich hoffe, dass Du jetzt nicht von Albträumen geplagt wirst
    *winke*
    Samy
    P.S.: Vollmassiv kann nicht als Möbel verarbeitet werden
     
  16. Hobby-Chef

    Hobby-Chef Mitglied

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    Aahhh...wenn. Zusatzmassnahmen zur Stabilisierung getroffen werden, um die Schieflage minimal zu halten ist ja gut. Unsere Holzteile bekommen im. Laufe der Nutzung auch paar Schönheitsfehler (ansonsten bräuchten wir die nur zur Betrachtung hinzustellen). Aber Holz neuert in meinen Augen mit Stil :cool:

    LG,
     
  17. kartoffelheinz

    kartoffelheinz Mitglied

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    Vielen Dank für die ganzen Antworten.
    Ich denke, ich werde die Küche nun einmal durchplanen und mir bei verschiedenen Schreinern Angebote für Korpus in Tischlerplatte einholen, vielleicht noch im Kostenvergleich dazu Multiplex. Die Auszüge werde ich dann wohl auch in Tischlerplatte fertigen lassen, was die "Fronten" angeht bin ich noch unsicher. Die werden zwar weiß gestrichen, aber man wird neben den Fronten auch die Stirnseiten der Korpusse sehen (ähnlich wie beim Shaker-Style). Denke mal, das wird dann am besten das selbe Material.

    Für Fragen zur Arbeitsplatte mache ich mal lieber einen Extra-Thread auf.
     

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