Erfahrungen mit geringen Abständen im Altbau

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Um Wiederholungen zu vermeiden wollte hier grundsätzliche Aspekte zu geringen Abständen und damit zusammenhänge Erfahrungen schildern in der Hoffnung, dass auch andere Nutzer mit ähnlichen Abständen (kleiner als 70 cm) das Thema vervollständigen können, damit künftige Interessenten möglichst umfangreich und vielseitig über diese Thematik informiert werden. Natürlich empfiehlt man unter normalen Umständen keine geringen Abstände. Daher kommt es sehr stark darauf an gegen welche Optionen die geringen Abstände abgewogen werden müssen. Oft befindet man sich in einer Zwangslage und muss Kompromisse eingehen. Folgende Parameter haben bei uns eine Rolle gespielt:

-Altbau
-Niedrige Brüstungshöhe beim Fenster (rund 80 cm)
-Keine Veränderungen an den Fenstern auf Grund des Denkmalschutzes möglich
-Kinderloser 2-Personenhaushalt
-Raumgröße von ca. 12 m² (4,3 x 3,35 m)
-Vorhandene Wandöffnungen (Tür und Durchbruch)
-Großer Wunsch nach mehr zusammenhängender Arbeitsfläche
-Arbeitshöhe rund 92 cm

Der Raum ist zu breit für einen 2-Zeiler und eigentlich zu schmal für eine Insel. Erschwerend kommt hinzu, dass man bei geringer Brüstungshöhe vor das Fenster keine Arbeitszeile stellen kann (Besonderheit beim Altbau), somit war bei uns die einzige sinnvolle Möglichkeit, den Wunsch nach mehr wertvoller Arbeitsfläche zu erfüllen, eine Insel zu realisieren. An unserer Planung haben sich viele Hobbys und auch Profis beteiligt, sodass die Planung nicht aus der Luft gegriffen wurde, sondern auf vielen Seiten im Planungsersuchen diskutiert worden war.

Bei uns beträgt der Abstand zwischen der HS Zeile und der Insel 90 cm und zwischen der Insel und der Wand 68 cm (Im Grundriss noch 66 cm eingezeichnet). Auf das letztere möchte ich hier im Detail eingehen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie viel Zweifel ich hatte insbesondere vor dem Hintergrund, dass man viel Geld in die Hand nimmt und eine Küche 20 bis 30 Jahre ihren Dienst verrichtet und man keine Fehler machen möchte.
Wenn man also an dem Punkt ist, dass alle anderen Optionen (aus verschiedensten Gründen) aus dem Rennen sind und man diese eine Möglichkeit hat, empfehle ich jedem die Umrisse der Küchenmöbel auf dem Boden abzukleben (noch besser mit Kartons auch die Arbeitshöhe nachzubauen) und einige Tage auf sich wirken zu lassen. Das hilft sehr. Es ist eine individuelle Entscheidung und weil sie bei uns zum Erfolgt geführt hat, muss es noch lange nicht bei jedem so sein.

Grundsätzlich besteht die Einschränkung nur im Beinbereich, denn oberhalb der Arbeitsplatte hat man die volle Freiheit. Meine Entscheidung wurde auch dadurch positiv beeinflusst, dass sich bei uns inselrückseitig ein Fenster befindet. Die Fensternische bietet daher ab der Brüstungshöhe (bei mir bereits im Hüftbereich) zusätzliche 25 cm für die Ellenbogenfreiheit und man fühlt sich keineswegs eingeengt (Fensterbreite 135 cm). Ich weiß nicht wie wir uns entschieden hätten, wenn wir kein Fenster, sondern eine nackte Wand hätten. Wahrscheinlich hätte ich dann die Insel schmäler gemacht als sie jetzt geworden ist. Solche Aspekte müssen auf jeden Fall mit berücksichtigt werden.

Und nun muss ich solchen Behauptungen, dass die Inselrückseite in diesem Fall nur eingeschränkt genutzt werden kann, ausdrücklich wiedersprechen. Das ist natürlich auf unseren Einzelfall bezogen. Ich verspüre keinerlei Einschränkungen. Mir war eine 110 cm Tiefe Insel sehr wichtig, um auf die Rückseite noch 50 cm tiefe US stellen zu können, deren Auszüge mit Front exakt 41 cm raus kommen. Das heißt, wenn der Auszug bis zum Anschlag draußen ist, habe ich immer noch 27 cm plus die Fensternische (25 cm für die Ellenbogen). In der Regel zieht man die Auszüge aber nicht voll aus, sodass es im Alltag noch deutlich komfortabler ist. Es bestünde theoretisch die Möglichkeit auch seitlich zu greifen, davon mache ich aber keinen Gebrauch. Meine Auszüge sind 110 und 120 cm breit. Wenn man seitlich hätte greifen wollen, würde ich sie vielleicht eher 80 cm breit machen.

Es sollte ebenso geprüft werden, ob die Auszüge auch am Kopf der Insel verortet werden können, um die Rückseite der Insel zu entlasten. Das hat auch den Vorteil, dass diese in voller Tiefe gestaltet werden können und man dadurch mehr Stauraum hat. Davon haben wir zum Teil auch Gebrauch gemacht. Man hat in der Regel nicht umlaufend geringe Abstände, sondern nur auf der einen Seite.

Würde man die Insel auf 100 cm Tiefe reduzieren, würden die rückseitigen Auszüge maximal nur 31 cm raus kommen. Mir persönlich ist es zu wenig Stauraum, in Anbetracht der Technik, die bei den Auszügen verbaut ist. Aber wenn jemand mehr Abstand beispielsweise (wegen Körpergröße oder wegen fehlendem Fenster im Rücken) benötigt, dann ist das auch eine mögliche Option. Obwohl ich die Platzierung der Auszüge am Kopf dieser Variante eindeutig vorziehen würde.

Zusammenfassend stelle ich fest, dass sehr viele Aspekte bei dieser Thematik eine Rolle spielen, insofern kann hier niemals eine pauschale Empfehlung ausgesprochen werden. Es muss individuell unter Berücksichtigung persönlicher Verhältnisse und räumlicher Gegebenheiten betrachtet werden. Ich hoffe, dass meine Erfahrungen dabei in irgendeiner Form behilflich sein könnten.

Und by the way der Abstand zwischen HS Zeile und der Insel von 90 cm ist unter den oben erwähnten Gesichtspunkten völlig akzeptabel. Wir haben es auch so geplant, dass der KS und der GS überwiegend außerhalb dieses Bereichs platziert sind und in den 90 cm nur Auszüge bedient werden müssen.
 

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KerstinB

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@Traumküchegesucht :2daumenhoch::2daumenhoch: danke für den Erfahrungsbericht. Genau das ist etwas, was jeder immer probieren muss.

Ich würde ergänzen, wenn man nicht so schlank ist wie du, dann wäre für die Inselrückseite wohl max. 80 cm Breite mit der Möglichkeit seitlich an die Inhalte zu kommen zu bevorzugen. (ich spreche als Vertreterin der nicht so schlanken Fraktion ;-) ).

Ich pinne den Beitrag mal an.
 

Traumküchegesucht

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Das primäre Ziel (vernüftige Arbeitsfläche) ist auch mit 80 cm erreicht. Da gebe ich Dir auf jeden Fall auch Recht. Bei mir wäre nur der Stauraum knapp geworden. Aber auch das ist keine unlösbare Aufgabe. Man wird im Altbau sehr erfinderlich und kann ggf. im Essbereich noch was vorsehen.

Und es sei in diesem Zusammenhang auch erwähnt, dass bei einer Insel (egal in welcher Tiefe) Paare sich gegenüber arbeiten können (statt in einer Zeile nebeneinander). Das ist in einem kinderlosen Haushalt auch eine häufige und komminikative Form des Verweilens :-) Und wenn die Insel nicht so tief ist, rückt man im wahrsten Sinne des Wortes noch näher zusammen :-) Was will man da noch mehr :rofl: Vielleicht hilft diese Tatsache die geringen Abstände zu verschmerzen.
 

KerstinB

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Und zwischen den Zeilen mit 90 cm Abstand kann man auch mal Popo an Popa aneinandervorbeirücken ;-) ;-). Ich habe ja auch nur 93 cm Zeilenabstand ... finde den aber auch sehr praktisch beim Wechseln zwischen Vorbereitungshalbinsel und Kochfeldwandzeile. Es ist nur eine Drehung ;-).
 

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