Das vorher zugebaute Fenster jetzt

Ungewöhnliche Essplatzlösung im Altbau

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K Aktualisiert 06 Mai 2019
Kommentare (2)
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Vorher: Ecke mit Eckbank
Ecke, in der vorher die Eckbank stand
Vorher, Ecke mit zugebautem Fenster
Neuer Essplatz
Vorher, schon mit abgebauten Oberschränken
Hier war vorher die Küchenzeile vor das Fenster gebaut
Lange Küchenzeile
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Lieblingsplatz zum Kaffee trinken und aus dem Fenster gucken

Schon bei Kauf des Hauses im Frühjahr 2017 war uns klar, dass die vorhandene alte Küche einer neuen weichen muss. Da wir aus unserer alten Wohnung schneller als gedacht ausziehen mussten (Kündigung wegen Eigenbedarf), mussten wir uns leider damit anfreunden, erst einmal die alte Küche zu nutzen, da wir viel in Eigenleistung machen wollten und andere Renovierungsmaßnahmen einfach dringender waren.

Dafür hatten wir dann über ein Jahr Zeit, uns Gedanken über die Planung zu machen. Zwar wurde die Küche letztendlich nicht hier im Forum geplant, aber ich habe immer fleißig mitgelesen und möchte daher auch meine Erfahrungen teilen.

ACHTUNG: Dieser Artikel ist sehr viel länger geworden als gedacht ;-)

Recht schnell hatten wir eine Liste mit Dingen, die an der alten Küche störten (mal ganz abgesehen von der Optik ;-)) oder einfach problematisch waren

Störfall Nr. 1: Die Heizkörper

Beide waren alt und hatten nur eine Heizspirale, was nicht wirklich reichte, um die Küche einigermaßen zu heizen. Außerdem war in der alten Küche (s. Foto) einer der beiden Heizkörper von Küchenschränken verstellt. Zwar hatten diese keine Rückwand, aber Heizleistung gab es von diesem Heizkörper keine. Nur das Geschirr in diesem Schrank war im Winter immer leicht angewärmt.

Störfall Nr. 2: Die Höhe des Fensterbrettes/ der Arbeitsplatte

Die Fensterbretter haben eine Oberkante von 83 Zentimetern. Bedingt dadurch, dass die alte Küche auch unter dem Fenster entlang ging, ergab sich eine Höhe der Arbeitsplatte von 85 Zentimetern. So konnte man das Fenster gerade noch öffnen, aber zwischen Fenster und Arbeitsplatte hätte nicht mal mehr ein Blatt Papier gepasst. Außerdem war mir eine Arbeitsplattenhöhe von 0,85m doch zu niedrig. 

Gleich zu Beginn habe ich mich über die Möbel vor dem Fenster geärgert, da ich (1,65m groß) nur schwer an den Fenstergriff heran kam. Um das Fenster überhaupt öffnen zu können, musste außerdem jedes Mal erst die Arbeitsplatte davor abgeräumt werden (was der Hauptarbeitsplatz in der alten Küche war). Und ich wollte nicht mehr auf die Arbeitsplatte klettern müssen, um das Fenster zu putzen.

Störfall Nr. 3: zu wenig nutzbarer Stauraum

In die tiefen Küchenschränke hat zwar jede Menge reingepasst, aber was ganz hinten im Schrank war, hätte ich genauso gut gleich wegschmeißen können, da ich sowieso nicht mehr ran kam (oder die Existenz der Sache längst vergessen hatte). Für den Übergang habe ich mich mit diversen Schachteln und Kisten arrangiert, aber es war klar: in der neuen Küche muss das anders werden. In der kompletten Küche gab es mit Ausnahme von zwei kleinen Schubladen nur Drehtürenschränke und ein Eckkarussel (was ich im übrigen schnell zu hassen gelernt habe).

Störfall Nr. 4: zu wenig Arbeitsfläche

Die lange Seite der Küche war mit einem Doppelspülbecken und dem Kochfeld besetzt und so hatte ich nur an der kurzen Seite des L Schnippelfläche.

Schön an der alten Küche war lediglich, dass eine Eckbank hineingepasst hat. Einen Sitzplatz wollten wir auch in der neuen Küche haben, nicht notwendigerweise als Eckbank. Länger diskutiert haben wir über Dampfgarer und Mikrowelle. Ersteres wollte ich gerne und mein Mann nicht, letzteres wollte mein Mann gerne und ich nicht. Zum Ergebnis s.u.

Unsere Wunschvorstellung

Unsere Wunschvorstellung beinhaltete zunächst natürlich eine Lösung der Probleme.

Außerdem wollten wir gerne:

  • Eine Granitarbeitsplatte (ich)
  • Einen Auszug, der groß genug für einen Getränkekasten ist (mein Mann)
  • Eine glatte Front (auf keinen Fall Landhausstil)
  • Eine zeitlose Optik
  • Eine Kopffrei-Dunstabzugshaube

Was wir nicht wollten:

  • Oberschränke mit Drehtüren (wie oft hatte ich mir an den alten den Kopf angestoßen…)
  • eine weiße Küche
  • Doppelspülbecken
  • Bora-Abzug
  • in der Arbeitsplatte versenkbare Steckdosen, weil schlecht zu reinigen (gesehen bei einer Bekannten)

Planungsphase

Mit dieser Liste an Anforderungen zogen wir also los zu insgesamt vier Küchenfachgeschäften. Gleich bei dem ersten stießen wir auf einen externen Berater, der uns ein Superschnäppchen zum Messe-Meterpreis verkaufen wollte. Nur 1000€, wer da nicht zugreift, ist selbst schuld! Nur jetzt und nur heute! Zwar hatte der Planer tatsächlich gute Ideen, aber das war uns dann doch zu überstürzt. Zum Glück, muss man wohl sagen. Die Negativ-Berichte hier im Forum habe ich erst später gelesen…

Nr. 2 und Nr. 3 haben mehr oder weniger von der Anordnung her die gleiche Küche geplant, beide mit Eckbank, obwohl wir gesagt hatten, dass wir für eine etwas modernere Sitzplatzlösung offen wären.

Nr. 4 wollte uns als erstes sofort einen Bora-Abzug verkaufen. Obwohl wir gesagt haben, dass wir das nicht wollen, hat er uns noch mindestens eine Viertelstunde lang die Vorteile aufgezählt. (Übrigens, unsere Gründe dagegen: nimmt Platz weg auf dem Kochfeld, mitten drin stört mich das einfach; wenn was überkocht und hineinläuft, muss man das Ding umständlich sauber machen) Eigentlich wollten wir schon genervt wieder gehen, als er doch noch zur Planung beraten hat – oder vielmehr unseren Grundriss angestarrt hat und ob der Tatsache, dass wir keine Schränke vor die Fenster wollen, komplett ratlos war. Als ob man in einen 15qm großen Raum keine Küche einbauen könnte, ohne Zeug vor die Fenster zu planen. Letztendlich glich sein Vorschlag sehr dem von 2 und 3, ebenfalls wieder mit Eckbank. Davon waren wir einigermaßen enttäuscht, hätten wir uns doch von Profis einen kreativen Lösungsansatz gewünscht.Alle drei Vorschläge hatten eine Halbinsel in den Raum geplant, wodurch einige Wege sehr eng geworden wären. Auch unser Wunsch nach mehr Arbeitsfläche wurde nicht wirklich umgesetzt.

Also sind wir nochmal zu Nr. 1, weil vor Ort und die Besitzer persönlich bekannt. Dieses Mal (man lernt ja dazu) haben wir gleich nach dem Junior-Chef persönlich gefragt und um eine Beratung gebeten. Auch dieser bekam wieder eine lange Liste mit unseren Anforderungen und endlich haben wir auch bekommen, was wir gesucht hatten – eine moderne Küchenplanung, die unseren Anforderungen entspricht. Dieses Mal wurde auch vernünftig kalkuliert und wir hatten Zeit, uns genau zu überlegen, welches Küchenstudio nun den Auftrag bekommt… Preislich lagen alle nah beieinander; wir haben uns dann für die kreativste Planung, die von Nr. 1, entschieden – einziger Wehrmutstropfen: dieses Küchenstudio verkauft Küchen von LEICHT (die unser Budget absolut gesprengt hätten) oder Nobilia, was ich wegen des 5er-Rasters eigentlich nicht so gerne wollte. Aber die Planung war einfach so viel besser als von Nr. 2 (Schüller), Nr. 3 (nolte) und Nr. 4 (Häcker), dass wir dann eben doch genau dieses Küchenstudio gewählt haben. 

Lösung 1 & 2:

Neue Heizkörper, keine Schränke mehr vor das Fenster und in der Ecke links neben dem Fenster eine abgeschrägte Arbeitsplatte. So war auch eine APL-Höhe von 0,91m problemlos möglich.

Lösung 3:

Überall, wo möglich, Auszüge. Der zunächst von mir gewünschte Apothekerschrank zwischen Backofen und Kühlschrank ist dank Forum und Küchenplaner durch einen 40cm breiten Schrank mit Innenauszügen ersetzt worden. Ich bin begeistert!

Lösung 4:

Wie man auf den Bildern gut erkennen kann, habe ich jetzt eine 3,30m-lange Zeile mit Herd und Spülbecken. Ohne das zweite Spülbecken und ohne das vorher vorhandene Eck habe ich hier deutlich mehr Platz als früher. Auf der anderen Raumseite wurden zusätzlich zwei 60er-Schränke geplant, die als reine Arbeitsfläche dienen. In einem der beiden Schubfächer hat auch der Allesschneider seinen Platz gefunden. Am Essplatz daneben frühstücken wir meistens und so haben die Frühstückssachen dort in den Schränken schon ihren Platz gefunden. Der Kühlschrank ist von da aus ebenso in Griffweite.

Fazit:

Alle unsere Wünsche wurden sehr gut umgesetzt. Für das „Mikrowellen- und Dampfgar-Problem“ haben wir ebenfalls eine gute Lösung gefunden: der Backofen (CulinArt von Miele) hat das „Klimagaren“-Programm, bei dem man mit Dampfstößen garen kann. Habe ich schon mehrmals ausprobiert, funktioniert sehr gut. Die Mikrowelle wurde in den Schrank über dem Backofen gestellt. Dieser hat eine Klappenlift-Tür, so dass die Tür beim Betrieb der Mikrowelle nicht im Weg ist. Und wenn man eines Tages doch feststellt, dass eine Mikrowelle unnötig ist, zieht man den Stecker, entsorgt das Gerät und hat noch ein zusätzliches Fach über dem Ofen.

Die Lösung mit dem Essplatz in der Mitte des Raumes gefällt mir sehr gut, der organisch geformte Tisch passt optimal hinein. So ist auch die Raumgröße m.E. sehr gut genutzt.

Außerdem liebe ich die Arbeitsplatte (Nero Assoluto). Mein Mann war zu Beginn der Meinung, „das ist aber schon arg schwarz“, und insgeheim hatte ich befürchtet, dass es mir auch zu düster sein könnte. Aber jetzt nach dem Einbau finde ich, dass die schwarze APL ganz hervorragend zu den schwarzen Glasflächen der Oberschränke passt. Schön war auch der Vorschlag des Küchenplaners, auf einen klassischen Fliesenspiegel zu verzichten und stattdessen die Rückwand halb mit dem gleichen Stein wie die APL und den Rest in der Farbe der Front zu gestalten.

Die an den Unterseiten der Oberschränke angebrachten Steckdosen sind super. Gut zugänglich und pflegeleicht.

Anders planen würde ich eigentlich gar nichts. Ich bin mit dem Ergebnis super zufrieden. Der Verzicht auf eine Abtropffläche hat sich als sehr praktisch erwiesen. So kann ich diese Fläche flexibel nutzen und sollte doch einmal etwas abtropfen müssen, habe ich dafür extra Schienen (ETAGON von Blanco) zum Einhängen ins Becken. Und das große Spülbecken ist super, Backbleche und große Töpfe sind endlich kein Problem mehr.

Auch Farbgebung und Optik der Küche sind spitze. Stauraum habe ich jetzt jede Menge, obwohl schon alles eingeräumt ist, sind immer noch einige Fächer leer. Im Gegensatz zur alten Küche konnte ich jetzt auch für mich "logisch" einräumen, so dass alles da ist, wo ich es gerade brauche.

Die falsch gelieferte Tür des Oberschrankes links vom Dunstabzug (na, wem ist es aufgefallen?) ist reklamiert und wird noch getauscht.

Danke für das Lesen des ellenlangen Textes!

 

 

★ Küchenhersteller
Küchendetails
Stilrichtung
Klassische Küchen
Datum der Fertigstellung
März 2019
Gerätedetails
Kochfeld
Siemens EX801LVC1E
Backofen / Einbauherd
Miele H 6267 B
Geschirrspüler
Siemens SN636X00PD
Kühlschrank
Siemens KI22LAF40
Dunstabzugshaube
Siemens LC87KHM60
Küchen-Raumdetails
Küchenraum-Art
Geschlossene Küche
Reine Küchengröße
13,1 bis 16 m²
Raumform
Quadratisch
Küchenform
2-Zeiler
Planungsinfos
Planungskriterien
  • Brüstungshöhe < 90 cm
  • Küchenarbeit mit mehr als 1 Person
  • Sitzplatz

Benutzer-Kommentare

2 Kommentare

D
Danke
Für den ausführlichen Bericht und viel Spaß in der Neuen.
Antwort des Verfassers 24 April 2019

Danke :-)

M