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Kunststoff
Von Michael     03. Juni 2009    
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Oberflächen aus Kunstoff sind leicht zu pflegen, wertbeständig, solide und sachlich. Auch Küchen mit Kunstoffoberflächen können einen hochwertigen und individuellen Charakter besitzen und werden aus praktischen und Kostengründen hoch geschätzt. Sie sind mit einem Minimum an Aufwand streifenlos sauber zu halten und sie besitzen eine klar funktionsorientierte Anmutung.
In der Küchenfertigung werden drei Arten von Kunststoff-Fronten verwendet: Die Melaminhartz-Front, die Schichtstoff-Front und die Folienfront.

Die Folienfront (Thermoplastische Folien)

Unter der Oberfläche einer Folienfront befindet sich das Trägermaterial, eine einseitig melaminharzbeschichtete MDF-Platte. Diese Trägerplatte wird zunächst in die passende Form gebracht. Nach Formatschnitt und Profilfräsung werden die Frontenrohlinge mit einem Spezialkleber benetzt und anschließend mit der Folie belegt. Durch Erwärmung zieht sich die Folie auf das Material. Folienfronten können bei der Produktion in allen Formen gefertigt werden, ob fugenlose allseitige Kantenbearbeitung oder Rahmenfronten. Durch die gute Formbarkeit der Folie sind alle Möglichkeiten offen. Allerdings sollte man bei Folie beachten, dass sie wieder verformbar bleibt und durch ihre chemischen Eigenschaften lange nicht den Qualitätsanforderungen von Schichtstoff entspricht. Die Folie ist somit die günstigste Art für Küchenfronten.

Thermoplastische Folien sind trägerlose, rein chemische Produkte. Sie können doubliert und lackiert sein. Es gibt eine Vielzahl von thermoplastischen Folien. Allerdings sind PVC-Folien bis heute die meistgebrauchte Folienarten, weil sie wie keine anderen Folien modifizierbar sind. Daneben gibt es APET-Folien auf Basis amorphen Polyester. Sie bieten sich zur Substitution von PVC an. APET-Folien werden ebenfalls doubliert und lackiert, lassen sich so problemlos im Rahmen der 3D-Beschichtungstechnik wie PVC-Folien verarbeiten. Folien für das Transferfinish basieren ebenfalls auf Polyester. Polyolefinfolien sind halogenfrei, stehen mit Blick auf Herstellung und Verarbeitung den PVCFolien sehr nahe. Polypropylen-Folien konnten sich nicht im erhofften Umfang durchsetzen. Auch ABS-Folien erlangten kein nennenswertes Marktgewicht.

Folieneigenschaften

PVC

gute Gebrauchseigenschaften; ausreichende Härte und Alterungsstabilität; gute Designgebung (Druck, Prägung) problemlose Verarbeitung PVC ist der älteste thermoplastische Kunststoff, bei dem die meisten Erfahrungen vorliegen.

PET

gute Gebrauchseigenschaften; insbesondere hohe Härte; Designgebung wie bei PVC problemlose Verarbeitung.

PO

mäßige Gebrauchseigenschaften; geringere Härte als PVC => Probleme mit Kratzfestigkeit; gute Designgebung Verarbeitung problematisch (hohe Verformungstemperatur, die genau eingehalten werden muss)

ABS

keine umfangreicheren Erfahrungen vorliegend, da nur wenige Versuche gefahren wurden; schwierige Farbhaltung bei Uni; sonstige Eigenschaften ähnlich wie bei PVC.

Die Schichtstoff-Front (HPL,CPL)

Schichtstoff oder auch Laminat ist besonders widerstandsfähig und wird daher auch für Küchenarbeitsplatten benutzt. Als Trägermaterial verwendet man Qualitätsspanplattenträger der E1-Norm. Die Leimqualität sämtlicher Flächen entspricht D3 nach DIN EN 204. Bei Bedarf kann als Trägermaterial auch ein schwer entflammbarer Spanplattenträger in B1 nach DIN 4102, V20, E1 mit Prüfzeichen (beidseitig kaschiert) nach DIN 68765 verwendet werden. In diesem Trägermaterial sind Kristalle eingearbeitet, die im Brandfall aufschäumen und dadurch nur schwer entflammbar sind.

Schichtstoff ist ein Hochdrucklaminat (HPL) nach DIN EN 438. Als Grundlage dient ein Dekorpapier welches mehrfach mit Harzen getränkt wird, bis es schließlich mit einer Melaminharzoberfläche versehen unter 180 Tonnen Druck verpresst wird. Durch die extreme Härte kann eine Front mit Schichtstoff belegt nicht in jede Form gebracht werden. Durch das sogenannte Postformingverfahren kann die Kante aber einseitig abgerundet werden (wie die Rundung der vorderen Arbeitsplattenkante oder die gegenüberliegenden Kanten an einer seitlich abgerundeten Front). Die Oberfläche Schichtstoff ist extrem belastbar. So ist es nicht wieder verformbar, bis zu 230 Grad C hitzebeständig, resistent gegen viele Säuren und Laugen (z.B. Nitroverdünnung), schnittfest und UV-echt. Schichtstoff gibt es heute in fast 4000 (!) verschiedenen Dekoren. Außerdem kann man ihn in verschiedenen Oberflächen erhalten: geperlt, strukturiert, geport, hochglänzend usw. In Küchen mit starken Beanspruchungen ist dieses Material die erste Wahl.

Melaminbeschichtungen

Melaminimprägnate sind die meist eingesetzten Beschichtungen für Spanplatten im Korpusbereich. Sie werden aber auch zur Beschichtung von Fronten eingesetzt. Melaminbeschichtungen bestehen in der Regel aus einem Dekorpapiere und je nach Ausführung und Bedarf zusätzlich aus Overlays und/oder Underlays.
Overlays sind leichte, weitgehend transparente, hochwertige Melaminharzfilme. Sie dienen als Schutz für die darunter liegenden Dekorfilme. Papiergewicht 30...35 g/m², Beharzung 200...300% Trockenharz bezogen auf das Papiergewicht.

Underlays dienen als Unterlage für helle Dekorfilme auf dunklem Untergrund, oder um Unebenheiten der Trägerplatte auszugleichen. Sie bestehen aus mit Aminoplastharz getränkten Papieren. Papiergewicht 60...120 g/m², Beharzung 60...120 % Trockenharz, bezogen auf das Rohpapiergewicht.
Neben den Dekorfolien gibt es noch Grundierfolien und Gegenzugfolien. Die Grundierfolien dienen als Untergrund für Schleiflackoberflächen. Sie besitzen gute Schleif- und Lackiereigenschaften. Gegenzugfolien dienen als Sperrmedium auf nicht sichtbaren Flächen und als Gegenzug gegen Furnier, HPL-Platten oder Finishfolien. Sie verhindern das verziehen des Trägermaterials. Für das Aufbringen der Gegenzugfolien und Grundierfolien aus Melaminimprägnaten sind keine zusätzlichen Kleber oder Leime erforderlich.
Für die Herstellung der Spezialpapiere ist ein hoher Energieaufwand nötig und es werden große Mengen Wasser benötigt.

Für die Herstellung von Dekorpapier werden Spezialpapiere verwendet. Um eine möglichst originalgetreue Herstellung von Holzoberfläche zu bekommen werden original Holzfurniere abfotografiert, eingescannt und am Computer nachbearbeitet. Das so entstandene Motiv wird auf Kupferzylinder eingraviert und anschließend verchromt. Die Holzstruktur wird 3 – 4 farbig im Tiefdruckverfahren auf die Papierbahnen aufgedruckt. Für den Druck werden wasserlösliche Farben verwendet. Das entstehende Abwasser wird gereinigt. Natürlich gibt es neben den Holzdekoren, auch Stein- und Fantasiedekore.

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